Rauschender Warenstrom,
über den Brücken Land unter:
Lastwagen treiben durch
die Wasser der Nacht.

In der Ferne blinkende Lichter,
angeschwemmt goldener Glitzer,
Meteore im Nebel, Sirenen
in elektrischer Luft.

Ein Körper, der ungebremst fiebert,
melodischer Herzschlag der
Wellen, Autosuggestion.

Am anderen Ufer ein Zelt.
Davor ertrinkendes Feuer.
Anschwellender Strom.

an_der_donau

Wie abweisend sich
die Möwen bewegen.
Sie picken unbeteiligt im Sand,
aber immer auf Abstand.

Und dann, scheinbar ohne
Grund, fliegen sie weg.
Wir sehen ihnen zu und
können uns nicht entschließen.

Die Nacht war lang.
Die Sonne ging nicht unter.
Wir liegen herum wie
aufgebrochene Muscheln.

Der Wind blättert durch die Zeitung,
auf den ersten Seiten
Nachrichten vom Krieg.
Tote ohne Zahl und Namen.

Wir sehen den Wellen zu,
kein Wort fällt zwischen uns.
Etwas ist gestrandet in dir und mir.
Keiner weiß, wann es war.

Sand auf unseren Lippen,
in den Augen, Sand überall.
Die Möwen kehren nicht zurück.
Am Horizont brennt ein Schiff.

Am Strand

Wollen wir uns zu neuen
Kontinenten durchschlagen?
Die alten sind müde und
verbraucht. Ihre Felder

tragen kaum noch Früchte,
die Quellen sind fast schon
versiegt. Aus Asche sind die
Wolken, sie bringen keinen Regen.

Wir folgen dem Weg hinaus
aus der Stadt, wir passieren
die überwucherte Autobahn, auf
deren Seitenstreifen Schilfrohre blühen.

Viele Berge, viele Meere
liegen vor uns. Doch wir sind
gerüstet: Kompass, Messer,
Stift und Papier.

Herzensmärsche stehen an.
Hinter uns stürzen Brücken ein.
Wir rasten nur, um zu lieben.
Vor uns die Welt in Aspik.

Ein junger Magier,
der den Tod
so liebt wie
das Leben:

Wie seine Finger sich
zu Gittern spannen,
als verschränkten sich
Wille und Skepsis darin.

Wie sie sich stützen
und einander beugen!
Doch wohin sie auch zeigen,
ihr Fluchtpunkt sind die Augen.

(Cesky Krumlov)

Gedichte sind wirkungs- und nutzlos, zu nichts zu gebrauchen – wörtlich wie man es einem Taugenichts vorwirft, einem Trinker oder –  Poeten. Und es gibt keinen Grund, das zu bedauern.
Denn diese Nutzlosigkeit ist gut für das Gedicht, sie ist sein Emblem, seine unverwechselbare Eigenschaft, sein spezielles Surplus in der Welt des Überflusses.
Mein Essay auf dem Literaturportal Bayern. Zum Essay