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Love To Go

DSC00771Die Mauern bekommen Risse,
die Treppen stinken nach Pisse,
es bröckelt der Putz.

Dann verdunkeln sich die Fenster,
dann klirren matte Scheiben,
dann schließen sich die Türen
ein allerletztes Mal.

Was stand, fällt
in sich zusammen,
Staub wirbelt auf,
und die Zeit
nimmt ihren Lauf.

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Il l’a,
le regard radieux de l’homme amoureux,
le sentiment de la victoire totale,
il se battait depuis longtemps.

Elle le regarde les yeux ronds,
puis elle rougit.

A l’arrêt suivant,
il saute du tram et
lance un baiser sur sa joue:
„Je t’appellerai, ma belle!“

Un regard plein de désir
à travers la vitre sale.
Le vent fait tourbillonner
les feuilles d’automne,

les voitures klaxonnent,
elle baisse les yeux et
lit les gros titres
faits de guerre.

(Übersetzung Caroline Raingeard und Helmut Sparrer)

Englische Version
Deutsche Version

Per Anhalter ans Meer:
Der Mechaniker mit seinem
würzigen Körpergeruch,
wie er sich die Hände reibt
am ölverschmierten Tuch!

„Do you really want to hurt me?“:
Der Jugendliche in seinem
ersten Automobil. Grau liegt
Deauville vor uns am Wolkentag.
Wir schießen ein Foto,
Arm in Arm, du & ich,
doch du verbirgst dein Gesicht.

Wir klettern auf die Mauer,
über uns Möwen, das Meer
sprüht Salven aus Gischt,
vom Aprilwind verwischt.

Hand in Hand hinab zum Strand…
Du erzählst von einem Haus in den Bergen,
von deiner Mutter und den Särgen.
Als du einschläfst, spüre ich den Graben,
der das Meer von Deauville trennt –
und dich von mir.-

Deine Pupillen verdrehen sich.
Ein Mann betrachtet uns argwöhnisch.
Hinter ihm blinken die Lichter
des Casinos ungeheuerlich.

Die Bella, die
durch den Sand flaniert,
die Sandalen an der Hand,
von Goldkettchen geziert,
nur von einer
wird sie übertroffen:

von Marie aus Lyon,
mit ihren orientalischen Zügen
und den Augen rundoffen.

„Que sera, sera“
aus der Jukebox,
der genervte Lebensretter
streicht sich über den Kopf.

Die Kinder vergraben sich in
ihre Burgen. Die Zitadellen
weisen ins Imaginäre,
in Träume von
Wüste und Leere.

Da! Die Luxemburgerin
mit Buch! Selbst der Dickwanst
dreht sich um und verliert
sich im Fluch.

Und ihr, Palmen?
Zerzaust steht ihr da
und habt doch
von Sehnsucht,
Ferne und Lust
alles gewusst.

Er hat es,
das Strahlen des
Verliebten im
Gefühl des Sieges,

er kämpfte schon lang.

Sie glänzt ihn mit
großen, runden Augen an
und errötet dann.

Beim nächsten Halt
hüpft er aus
dem Abteil
und drückt ihr dabei
einen Kuss auf die Wang’.
„Ich rufe dich an.“

Ein sehnsuchtsvoller Blick
durch die schmutzigen Scheiben,
der Fahrtwind wirbelt
das Herbstlaub zurück.

Autos, ein Hupen,
sie senkt ihren Blick
und liest in den
Schlagzeilen vom Krieg.