Archiv

Kambrium Hotel

Wollen wir uns zu neuen
Kontinenten durchschlagen?
Die alten sind müde und
verbraucht. Ihre Felder

tragen kaum noch Früchte,
die Quellen sind fast schon
versiegt. Aus Asche sind die
Wolken, sie bringen keinen Regen.

Wir folgen dem Weg hinaus
aus der Stadt, wir passieren
die überwucherte Autobahn, auf
deren Seitenstreifen Schilfrohre blühen.

Viele Berge, viele Meere
liegen vor uns. Doch wir sind
gerüstet: Kompass, Messer,
Stift und Papier.

Herzensmärsche stehen an.
Hinter uns stürzen Brücken ein.
Wir rasten nur, um zu lieben.
Vor uns die Welt in Aspik.

Ein junger Magier,
der den Tod
so liebt wie
das Leben:

Wie seine Finger sich
zu Gittern spannen,
als verschränkten sich
Wille und Skepsis darin.

Wie sie sich stützen
und einander beugen!
Doch wohin sie auch zeigen,
ihr Fluchtpunkt sind die Augen.

(Cesky Krumlov)

Schnell noch schlafen,
schnell noch pokern,
schnell noch ein Herz
verschickt oder ein Lächeln.

Vor sich hin starren,
in den Augen noch Sand,
in den Aktentaschen
die Träume der Nacht.

Rasierwasser macht trunken,
Nagellack brennt,
Dunst und Turbinen über
der morgendlichen Stadt.

Köpfe schweben und sinken,
doch kurz vor dem Einnicken
richten sie sich auf,
die Augen geschlossen.

Was sagen die Überschriften?
Wie klingen die Kaffeemaschinen?
Warten auf die Ansage.
Und tippen, tippen, tippen.

Der Frühling zauderte.
Unversehens kamen
noch einmal kühlere Tage.
Alles wurde unhaltbar,
ein Niedergang zeichnete
sich ab.

Dann schneite es
noch einmal –
feine, weiße
Flocken wie
verspätete
Kirschblüten.

Lass dich treiben,
fall aus allen Wolken!
Die Züge erreichen
nie ihr Ziel, und das
Leben hat Verspätung.

Sag ab die Termine,
widersteh dem Sekundentakt!
Morgen ist der Tag verschwunden,
und die Zukunft wird
zum Artefakt.

Das alte Haus des
Schneidermeisters
steht still da.

Alle Kriege haben es
verschont, es sieht zer-
schunden aus und
lange nicht bewohnt.

Die Vorhänge mit Rüschen
hängen an den Fenstern noch,
wer hat sie früher mal
gemocht und angebracht?

Spekuliert wird auch, wer
das Haus heute wohl besitzt.
In die Tür ein
Datum eingeritzt,

aus einer Zeit, die
niemals war.
So stellt es sich
Besuchern dar.

DSC01342